Ob zarte Pinselstriche, glänzende Glasuren oder moderne Effekttechniken – die Dekoration macht Porzellan lebendig. Jede Oberfläche erzählt ihre eigene Geschichte und verbindet Handwerk mit Stil.
Porzellan mit Gold
Das Goldpräparat wird von Hand mit einem Pinsel bzw. mit einer Drehbewegung unter Verwendung einer Malerscheibe aufgetragen. Ein Präparat für glänzendes Golddekor enthält 10–12 % Gold. Der Farbton kann durch Zugabe anderer Metalle (z. B. Rhodium, Titan, Silber oder Wismut) verändert werden.

Goldpräparat für die Dekoration von Porzellan
Ätztechnik Porzellan
Die Technik des Ätzens nutzt den Kontrast von glänzenden und matten Oberflächen aus Edelmetall (Gold, Platin, ehemals auch Silber). Bei der echten Ätzung wird ein Schutzlack auf die Glasur aufgebracht, sodass nur die Bereiche, in denen Mattgold erscheinen soll, unbedeckt bleiben. Anschließend wird das Objekt in ein Ätzbad (eine Lösung aus Fluorwasserstoff und Schwefelsäure) getaucht, das die Glasur an den gewünschten Stellen beeinträchtigt. Das geätzte Dekor wird dann mit einem Goldpräparat angestrichen und gebrannt. Wegen dem Aufwand dieser Technologie wird häufig das unechte Ätzdekor verwendet, bei dem eine matte Aufglasurfarbe oder ein Aufkleber als Unterschicht für die matten Goldflächen dienen.

Auftragen des unechten Ätzdekors – von links nach rechts: Tasse mit Aufkleber, mit Goldpräparat angestrichen, nach dem Brand.
Gestempeltes Golddekor
Für das Stempeln wird ein Präparat mit einem Goldgehalt von 15–16 % verwendet. Der Farbton kann wie bei der Dekoration mit Gold durch Zugabe anderer Metalle korrigiert werden.

Silberdekor auf Porzellan
In der Vergangenheit wurden für die Dekoration von Porzellan auch Präparate aus Silber verwendet. Für das Schwärzen des Dekors (wegen der Bildung von Silbersulfid auf der Oberfläche) hat man auf diese Technik verzichtet.

Silberdekor auf Porzellan
Platin-Dekor auf Porzellan
Die Dekoration mit Platin ersetzte vollständig das früher verwendete Silberdekor. Das Platinpräparat kann für dieselben Techniken wie Gold (Handmalerei, Stempeln oder Ätzung) verwendet werden.Die Dekoration mit Platin ersetzte vollständig das früher verwendete Silberdekor. Das Platinpräparat kann für dieselben Techniken wie Gold (Handmalerei, Stempeln oder Ätzung) verwendet werden.
Lüster Porzellan
Transparente Lüster
Farblose Lüster (Lüsterfarben) sind dünne Metallschichten auf der Oberfläche der Glasur, die einen Regenbogen- oder Perlenfilm bilden. Für diese metallisch schimmernden Überzüge werden Aluminium-, Zink- oder Wismutpräparate verwendet. In der Regel dienen die farblosen Lüster als Grundlage für andere Dekorationstechniken.

Detail der Dekoration mit farblosem Lüster
Lüsterfarben Porzellan
Zur Erzielung des Effekts einer Lüsterfarbe werden Eisen, Nickel, Kobalt, Chrom, Kupfer, Cadmium oder Gold verwendet. Die Präparate können einzeln oder in Kombination aufgetragen werden, um Grün-, Blau-, Rosa-, Kupfer- oder Goldtöne zu erzielen.

Tasse verziert mit Rubinlüster in Kombination mit Goldstempel (Elbogen, um 1850)
Farbige marmorie
Ein farbiges marmoriertes Lüsterdekor wird mithilfe einer beliebigen flach aufgetragenen Lüsterfarbe hergestellt, auf die dann ein Lösungsmittel appliziert wird. Je nach gewünschtem Aussehen wird das Lösungsmittel in Form von Tropfen, mit einem Pinsel oder durch Tupfen aufgetragen. Die teilweise Auflösung der Beschichtung erzeugt mehrere Farbtöne der Lüsterfarbe, die an die Struktur von Marmor erinnern.
Stahlstich Porzellan
Mit dem Stahlstich wird das wohl bekannteste Porzellandekor, das sog. „Zwiebelmuster“ appliziert. Dieses ursprünglich handgemaltes Dekor zierte bereits die alten chinesischen Gefäße, von denen die Meißner Dekorateure inspiriert waren und die später Porzellanhersteller in ganz Europa nachahmten. In Böhmen wurde die Porzellanfabrik in Eichwald durch ihr Zwiebelmuster berühmt geworden. Das Motiv besteht aus Asternblüten und Pfingstrosenknospen, die sich um Bambusstäbe winden, welche wiederum durch Pfirsiche und Granatäpfel ergänzt werden. Dies erinnerte die Europäer an eine Zwiebel, weshalb das Dekor heute als „Zwiebelmuster“ bzw. im Tschechischen „cibulák“ bekannt ist.
Gegenwärtig wird das Dekor durch Stahlstich aufgetragen. Die Druckmatrize wird auf einer asphaltierten Stahlplatte gebildet, in die das gewünschte Dekor eingekratzt wird. Die Platte wird dann an den unbedeckten Stellen geätzt. Nach dem Entfernen des Asphalts wird Kobaltfarbe auf die Matrize aufgetragen, die aber nur auf den geätzten Stellen hält. Das Dekor wird dann auf ein Zigarettenpapierbogen und davon auf das Porzellan übertragen. Die Scherbe wird nach dem Glühbrand dekoriert und erst danach glasiert und glattgebrannt.

Tasse mit Zwiebelmuster (Eichwald, aktuelle Produktion)
Porzellanmalerei mit Aufglasurfarben
Aufglasurfarben sind Mischungen von Farbstoffen, Farbmitteln und Schmelzmittel, die als Bindemittel für Pigmente dienen. Als Schmelzmittel werden Fritte oder Glasuren mit niedrigem Schmelzpunkt verwendet. Dank der niedrigen Temperatur des Dekorbrandes bei diesen Farben steht eine nahezu unbegrenzte Farbpalette zur Verfügung. Aufglasurfarben können durch Handmalerei oder in Form von Aufklebern aufgebracht werden.

Handmalerei mit Aufglasurfarbe
Porzellan Aufkleber
Aufkleber sind auf Papier gedruckte Aufglasurfarben, die mit einer Schutzschicht aus Lack überzogen sind. Nach dem Einweichen wird der Aufkleber vom Trägerpapier getrennt und auf das Porzellan aufgetragen. Während des Brennens brennt der Schutzlack aus und der Aufkleber wird fixiert.

Manuelles Auftragen des Aufklebers
Plastische Dekore und Reliefporzellan
Plastisches Dekor gehört zum Entwurf des Modelleurs. Die Dekoration ist entweder Teil der Form des jeweiligen Porzellanprodukts oder wird separat modelliert und erst dann angarniert (komplettiert). Meistens werden niedrige plastische Reliefs oder auch dekorative plastische Elemente verwendet.

Beispiel einer plastischen Dekoration auf einem Jugendstilteller
Transluzente Porzellan-Dekore
Transluzente Dekore können durch die so genannte Lithophanie geschaffen werden, bei der die Dicke des Materials variiert wird, um bei Beleuchtung einen plastischen Effekt zu erhalten. Eine weitere Möglichkeit ist z. B. das sog. chinesische Reisporzellan mit kleinen Löchern in der Scherbe, die den Reiskörnern ähneln. Diese füllen sich während des Glasierens mit Glasur bleiben nach dem Glattbrand transluzid.
Ivory Porzellan: Eleganz in Elfenbein
Elfenbeinfarbenes Porzellan kann durch Reoxidation – Regulierung der Luftzufuhr – beim Abkühlen nach dem Glattbrant erzielt werden. Je langsamer die Luft gekühlt wird, desto mehr Elfenbeinfarbe kann erreicht werden. Derzeit wird diese Technologie durch die Farbglasur mit dem Zusatz von Manganverbindungen ersetzt, was im Gegensatz zur ursprünglichen Methode einen einheitlichen Farbton aller Produkte garantiert. Der Farbton der Scherbe war nämlich von der Position der gebrannten Objekte im Ofen abhängig.

Porzellan mit Elfenbeinglasur in Kombination mit unechtem Ätzdekor
Rosafarbenes Porzellan
Rosafarbenes Porzellan erhält seine typische Farbe durch das Einfärben der Porzellanmasse mit Manganoxiden noch vor der Formgebung. Rosa ist daher die Scherbe selbst, auf die dann eine transparente Glasur aufgebracht wird. Trotz der häufig verwendeten geschichtsträchtigen Formen wurde diese Technik erst im Laufe des 20. Jahrhunderts erfunden und verbreitet.
Farbige Glasuren
Farbige Glasuren werden aus transparenten und deckenden Glasuren durch Zugabe von Ionen-, Molekular- oder Kolloidfarbstoffen hergestellt. Farbige Glasuren sind charakteristisch für zeitgenössische Designarbeiten.

Farbig glasierte Tassen vor der Herausnahme aus dem Ofen
Porzellan mit Effektglasur
Durch die Anpassung der Glasurfarbe kann eine Vielzahl von Effekten erzielt werden. Einer davon ist die Zugabe von sogenannten Schwebeteilchen, die in der Glasur aus leicht verblassten Punkten eine Textur erzeugen.
Matte Glasuren Porzellan
Neben den gewöhnlich glänzenden Glasuren gibt es vor allem im zeitgenössischen Design auch Mattglasuren. Das matte Erscheinungsbild wird durch einen höheren Gehalt an feinkristallinen Partikeln zu Lasten des Gehalts an glasbildenden Komponenten erreicht.
Text: Lucie Kališová, Štěpán Karel Odstrčil, Projekt „Aus dem Leben einer Porzellantasse“, Stadtmuseum Franzensbad. Foto: Václava Simeonová.
