Europäische Porzellanmarken

Europäische Porzellanmarken

Hinter den „lediglich“ drei Jahrhunderten der europäischen Porzellangeschichte verbirgt sich eine intensive technologische Entwicklung, welche die Porzellanherstellung bis zu ihrer heutigen Form vervollkommnete und Porzellan praktisch für jedermann verfügbar machte. Porzellan wurde so zu einem wahren Phänomen. Porzellanprodukte werden weltweit verwendet, wobei viele nicht nur wegen ihres Gebrauchswertes, sondern auch aufgrund ihres ästhetischen Wertes geschätzt werden.

Porzellan Signaturen Porzellanmarken

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Nur wenige Dinge sind bei Sammlern so beliebt wie Porzellan, zudem gibt es wohl kaum ein Museum, in dem historische Porzellangegenstände nicht erstaunliche Geschichten über ihre früheren Besitzer erzählen würden. Eine unverzichtbare Rolle spielen dabei die Porzellanmarken, welche ein grundlegender Leitfaden für die Lokalisierung und Datierung eines Porzellangegenstandes sind.      

Obwohl bereits die ersten europäischen Manufakturen ihre Produkte mit unterschiedlichen Marken kennzeichneten, blieb der überwiegende Teil der Produkte zunächst unsigniert. Die Vielfalt der Marken brachte erst die wachsende Porzellanproduktion im 19. Jahrhundert und die damit verbundene Praxis der Nachahmung und Fälschung von Marken, Formen und Dekors mit sich. Die europäischen Porzellanhersteller verwendeten verschiedene Arten der Kennzeichnung, die sie im Laufe der Zeit selbst änderten. Häufig wurden auch mehrere Marken zugleich verwendet. Darüber hinaus sind auf einzelnen Gegenständen zwei oder mehrere Marken zu finden, die meist auf unterschiedliche Zeiträume der Produktion und der Dekorierung hindeuten.  Bei einem Service und anderen Arten des Tafelgeschirrs hingegen wurden in der Regel nicht alle Warengegenstände markiert, sondern meist nur ein dominanter Gegenstand (Kanne, Suppenschüssel o. Ä.).

In der heutigen, kommerziellen Produktion von Porzellan ist es mitunter schwierig, anhand der Marke den jeweiligen Hersteller zu bestimmen. Die Kennzeichnung kann durch Kundenwünsche oder eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit beeinflusst sein. Häufig werden die Waren auch in einer bestimmten Porzellanfabrik hergestellt und an anderem Ort dekoriert. Viele Porzellanfabriken bewahren jedoch die Tradition und den historischen Wert ihrer Marke.

Je nach der Technologie der Ausführung können die Marken in Unterglasur-, Aufglasur-, Press- und Reliefmarken unterteilt werden.

Alte Porzellanmarken erkennen

Unterglasurmarken in Kobaltblau

Die erste handgemalte Kennzeichnung wurde in Meißen eingeführt. Die ursprüngliche Meißner Marke AR (Augustus Rex) wurde ab dem Jahre 1722 durch das Motiv der gekreuzten Kurschwerter ersetzt. Dieses Markenzeichen wird bis heute verwendet und ist als solches die am längsten verwendete Porzellanmarke weltweit.

Die erste handgemalte Kennzeichnung wurde in Meißen eingeführt. Die ursprüngliche Meißner Marke AR (Augustus Rex) wurde ab dem Jahre 1722 durch das Motiv der gekreuzten Kurschwerter ersetzt. Dieses Markenzeichen wird bis heute verwendet und ist als solches die am längsten verwendete Porzellanmarke weltweit.

Auch die Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien benutzte ein handgemaltes kobaltblaues Markenzeichen – der typische zweimal geteilte Bindenschild, ebenso bekannt ist das doppelte „L“ der Manufaktur in Sèvres bzw. das gemalte „S“ der Porzellanfabrik in Schlaggenwald.

Auch die Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien benutzte ein handgemaltes kobaltblaues Markenzeichen – der typische zweimal geteilte Bindenschild, ebenso bekannt ist das doppelte „L“ der Manufaktur in Sèvres bzw. das gemalte „S“ der Porzellanfabrik in Schlaggenwald.

Unterglasurmarken können auch durch einen  Stempel oder ein Abziehbild aufgebracht werden, der häufig in England  in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Verwendung fand. Am häufigsten wurden Unterglasurmarken bis ungefähr 1830 verwendet.

Unterglasurmarken können auch durch einen  Stempel oder ein Abziehbild aufgebracht werden, der häufig in England  in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Verwendung fand. Am häufigsten wurden Unterglasurmarken bis ungefähr 1830 verwendet.

In die Masse eingedrückte Marken

Die Kennzeichnung durch Pressmarken findet sich bei europäischem Porzellan etwa ab den 1830er Jahre. In der Regel sind die Initialen des Porzellanfabrikanten oder die Anfangsbuchstaben des Namens der Manufaktur eingeprägt. Mitunter auch die vollständigen Namen.

Die Kennzeichnung durch Pressmarken findet sich bei europäischem Porzellan etwa ab den 1830er Jahre. In der Regel sind die Initialen des Porzellanfabrikanten oder die Anfangsbuchstaben des Namens der Manufaktur eingeprägt. Mitunter auch die vollständigen Namen.

Die Porzellanmodelleure in Meißen verwenden häufig auch Ritzmarken, die mit einem Zahlensymbol die Nummer des Modells kennzeichnen.

Die Porzellanmodelleure in Meißen verwenden häufig auch Ritzmarken, die mit einem Zahlensymbol die Nummer des Modells kennzeichnen.

Für die Produkte der Rosenthal-Manufaktur in Selb war es charakteristisch, dass die Modelleure ihre Werke mit einer Pressmarke mit ihrem eigenen Namen kennzeichneten.

Für die Produkte der Rosenthal-Manufaktur in Selb war es charakteristisch, dass die Modelleure ihre Werke mit einer Pressmarke mit ihrem eigenen Namen kennzeichneten.

Reliefmarken

Plastisch gestaltete Marken sind in der Regel aufgeklebte Stücke der Porzellanmasse mit eingepresster Markierung. Bis heute werden sie z.B. von der Porzellanfabrik Royal Dux (Duchcov) verwendet – hier ein aufgeklebtes rot-gefärbtes Stück Porzellanmasse mit dem eingeprägten Namen der Manufaktur.

Plastisch gestaltete Marken sind in der Regel aufgeklebte Stücke der Porzellanmasse mit eingepresster Markierung. Bis heute werden sie z.B. von der Porzellanfabrik Royal Dux (Duchcov) verwendet – hier ein aufgeklebtes rot-gefärbtes Stück Porzellanmasse mit dem eingeprägten Namen der Manufaktur.

Aufglasurmarken

Handgemalte Aufglasurmarken verwendeten bereits die ersten europäischen Porzellanfabriken. Oft wurden sie von den Porzellanmalern in Wien und Meißen zur Markierung eigener Werke benutz. Mit Aufglasurmarken werden auch die Einzelteile eines Produktes versehen, damit sie nach dem Brand einfach zusammengestellt werden können.

Handgemalte Aufglasurmarken verwendeten bereits die ersten europäischen Porzellanfabriken. Oft wurden sie von den Porzellanmalern in Wien und Meißen zur Markierung eigener Werke benutz. Mit Aufglasurmarken werden auch die Einzelteile eines Produktes versehen, damit sie nach dem Brand einfach zusammengestellt werden können.

Gestempelte Aufglasurmarken stellen heute die verbreitetste Art der Porzellanmarkierung dar. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kommen sie vielfach zum Einsatz. Zum Stempeln werden meist Aufglasurfarben, Lüsterfarben oder Gold verwendet.

Gestempelte Aufglasurmarken stellen heute die verbreitetste Art der Porzellanmarkierung dar. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kommen sie vielfach zum Einsatz. Zum Stempeln werden meist Aufglasurfarben, Lüsterfarben oder Gold verwendet.

Böhmische porzellanmarken

Beispiel für eine mit Lüsterfarbe gestempelte Marke

Beispiel für eine mit Lüsterfarbe gestempelte Marke

Beispiel für eine mit Gold gestempelte Marke

Beispiel für eine mit Gold gestempelte Marke

Gegenwärtig finden häufig auch Marken in Form von Abziehbildern Verwendung. In dieser Weise wird insbesondere Dekorware gekennzeichnet.

Gegenwärtig finden häufig auch Marken in Form von Abziehbildern Verwendung. In dieser Weise wird insbesondere Dekorware gekennzeichnet.

Bei einigen Marken finden sich die Aufschriften „Déposé“ oder „Geschützt“, die darauf hinweisen, dass einige Porzellanfabriken ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Formen patentieren ließen. Ab dem Jahre 1891 wurde in Amerika für sämtliche importierten Waren die Kennzeichnungspflicht mit „Made in…“ eingeführt. Die Kennzeichnungen des Porzellans wurden somit um den Produktionsort ergänzt.

Bei einigen Marken finden sich die Aufschriften „Déposé“ oder „Geschützt“, die darauf hinweisen, dass einige Porzellanfabriken ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Formen patentieren ließen. Ab dem Jahre 1891 wurde in Amerika für sämtliche importierten Waren die Kennzeichnungspflicht mit „Made in…“ eingeführt. Die Kennzeichnungen des Porzellans wurden somit um den Produktionsort ergänzt.

Text: Lucie Kališová, Štěpán Karel Odstrčil, Projekt „Aus dem Leben einer Porzellantasse“, Stadtmuseum Franzensbad. Foto: Václava Simeonová.

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