Keramikarten

Keramikarten

Obwohl Porzellan eine Art Keramik ist, die den Menschen in ihren verschiedenen Formen seit jeher begleitet, stellt das zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Europa erfundene Porzellan einen erheblichen technologischen Fortschritt dar. Dieses sog. „Hartporzellan“ übertrifft nämlich in vielerlei Hinsicht sein chinesisches Vorbild, das es ursprünglich nachahmen sollte. Dank seiner Beständigkeit gegen

Temperaturschwankungen übertrifft Porzellan auch Glas. Wegen seiner einzigartigen chemischen Beständigkeit und mechanischen Festigkeit erfreut es sich heute eines breiten Anwendungsspektrums in den unterschiedlichsten Industriezweigen. Von Anfang an handelte es sich jedoch um einen Artikel, der eng mit der dekorativen Funktion und der Esskultur verbunden ist. So verbreitete sich das Porzellan weltweit und wurde zu einem festen Bestandteil des täglichen Lebens.

Steingut vs. Porzellan

Der Ursprung der Keramikherstellung lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Einer der ältesten, erhaltenen Keramikgegenstände der Welt ist die Venus von Unter Wisternitz (heute Dolní Věstonice) aus dem jüngeren Paläolithikum (28 000–25 000 Jahre v. Chr.). Die Produktion der ersten Keramikgefäße wuchs dann ebenso wie andere handwerkliche Fertigkeiten mit der Entwicklung der neolithischen Landwirtschaft. Ein wesentlicher Meilenstein in der Keramikproduktion war die Verwendung der Töpferscheibe, die erstmals im 5. Jahrtausend v. Chr. dokumentiert wurde.

Töpferkunst Tonware

Die Hafnerkeramik wird aus Töpfer- oder eisenhaltigem Ziegelton hergestellt, der eine Rotfärbung der Masse bewirkt. Sie hat einen porösen Scherben, auf den dekorative Engoben und Glasuren aufgebracht werden. In der Vergangenheit wurde die Gefäßoberfläche zum Erreichen der Undurchlässigkeit des Scherbens geräuchert bzw. gehärtet.

Beispiele der Hafnerkeramik

Beispiele der Hafnerkeramik

Eine bedeutende Entwicklung in der Keramikproduktion in Europa war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts zu beobachten, als die Italiener begannen, die maurische Fayence erfolgreich nachzuahmen. Die hiesigen Produkte, die nach der Insel Mallorca als „Majolika“ bezeichnet wurden, da sie von dort ursprünglich nach Italien importiert wurden, verbreiteten sich dann in ganz Europa. Das Zentrum der italienischen Herstellung von Majolika war damals die Stadt Faenza, aus der sich der Begriff „Fayence“ (französisch „faïence“) ableitete, mit dem die nach Frankreich importierte italienische Keramik bezeichnet wurde.

Weisse glasierte Tonware

Heute werden mit diesen beiden Begriffen zwei Keramikarten beschrieben, die der sog. Tonware zuzuordnen sind. Bei der Majolika handelt es sich um Keramik mit einem meist rot gefärbten Scherben und einem gemalten Dekor, das direkt auf die blei-zinnhaltige Deckglasur aufgebracht wird. Die Fayence unterscheidet sich von der Majolika vor allem in der meist grauen, gelblichen oder leicht rötlichen Farbe des Scherbens. Ebenso zählt dazu auch weißes Steingut, das im 18. Jahrhundert in England erfunden wurde. Dabei handelt es sich um eine poröse Keramik mit weißem oder elfenbeinfarbenem Scherben, der von einer transparenten Glasur bedeckt wird.

Beispiele für Produkte aus weißem Steingut

Beispiele für Produkte aus weißem Steingut

Steinzeug

Ein weiterer Typ keramischen Materials ist Steinzeug. Es wurde wahrscheinlich in China erfunden und ging der Erfindung des Weichporzellans voraus. Steinzeug hat einen farbigen gesinterten Scherben mit minimaler Porosität. Die Anfänge der Steinzeugproduktion in Europa liegen im Rheinland des 11. Jahrhunderts.

Objekte aus Steinzeug aus der Sammlung des Städtischen Museums Franzensbad

Objekte aus Steinzeug aus der Sammlung des Städtischen Museums Franzensbad

Weichporzellan

Das um das Jahr 600 in China erfundene Weichporzellan wurde lange vor der Erfindung des europäischen Hartporzellans regelmäßig aus China und Japan nach Europa importiert. Dieses Porzellan wird bei Temperaturen bis zu 1300 °C gebrannt, weshalb es zerbrechlicher sowie mechanisch und thermisch weniger beständig ist als das heute allgemein bekannte Porzellan. Um dem asiatischen Vorbild zu folgen, wurde Weichporzellan auch in Frankreich und England hergestellt. So wurde beispielsweise in der französischen Manufaktur in Sèvres im 18. Jahrhundert sog. Frittenporzellan hergestellt, für das als Schmelzmittel eine Fritte diente –ein Granulat mit einer ähnlichen Zusammensetzung wie bei Glas, das durch rasches Abkühlen der Schmelze hergestellt wird, die dann gemahlen wurde. Die Temperatur des ersten Brandes lag zwischen 1200–1300 °C. Anschließend wurde die Oberfläche mit einer transparenten, bei niedrigeren Temperaturen gebrannten Glasur überzogen. In England wird seit Ende des 18. Jahrhunderts wiederum das sog. Knochenporzellan (engl. „bone china“) hergestellt, das aus einem Gemisch von geschwemmten Kaolin, weißen Ton, Knochenasche und Feldspat-Sand hergestellt wird. Die Tierknochenasche sorgt für eine sehr weiße Farbe eine hohe Transparenz der Scherbe. Die Brenntemparatur beträgt 1200–1280 °C. Knochenporzellan wird bis heute auch in der berühmten Manufaktur von Josiah Wedgwood (1730–1795) hergestellt, der anderen Arten britischer Keramik, die Porzellan nachahmen, ihren Namen verlieh.

Ein Beispiel des ostasiatischen Weichporzellans

Ein Beispiel des ostasiatischen Weichporzellans

Weichporzellan Hartporzellan

Die Herstellung von Hartporzellan wurde im Jahre 1709 in der sächsischen Stadt Meißen erfunden und verbreitete sich nachfolgend in aller Welt. Aufgrund seiner typischen reinweißen Farbe, jedoch auch wegen seiner Härte und chemischen Beständigkeit gilt Porzellan als das edelste aller Keramikmaterialien. Diese Eigenschaften können jedoch nur durch die strikte Einhaltung technologischer Verfahren unter Verwendung hochwertiger Rohstoffe erreicht werden. Traditionelles europäisches Hartporzellan wird aus einem Gemisch aus Kaolin (50 %), Quarz (25 %) und Kalifeldspat (25 %) hergestellt. Während der Herstellung durchläuft das Porzellan mehrere Brennvorgänge, wobei der Glattbrand im Gegensatz zu anderen Keramiken bei einer Temperatur von 1350 bis zu 1430 °C erfolgt. Dies führt zum Sintern der Gießmasse, die dann nur noch ein Minimum an Poren enthält und in einer dünnen Schicht transparent ist.

Dank der reinweißen Farbe des Scherbens wird auf die Oberfläche traditionell eine durchsichtige Glasur aufgetragen. Diese hat sowohl eine ästhetische als auch eine praktische Funktion. Sie erhöht die chemische Beständigkeit sowie die mechanische Festigkeit und macht das Porzellan für Flüssigkeiten undurchlässig. Die Oberfläche kann mit Dekorationen versehen werden, die unter oder auf die Glasur aufgebracht werden.

Der heutige Anwendungsbereich von Porzellan und ähnlichen Keramiken ist nahezu grenzenlos. Dank seiner edlen Eigenschaften wird Porzellan nicht nur zum Tafeln oder Dekorieren verwendet, sondern auch in der Medizin, in der Automobil- und elektrotechnischen Industrie oder als Sanitär- bzw. Laborkeramik.

Beispiel für Hartporzellan des europäischen Typs

Beispiel für Hartporzellan des europäischen Typs

Text: Lucie Kališová, Štěpán Karel Odstrčil, Projekt „Aus dem Leben einer Porzellantasse“, Stadtmuseum Franzensbad. Foto: Václava Simeonová.

CZECH

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