Die Modellierung von Porzellan ist ein Fachgebiet, das in Europa zusammen mit der Erfindung und Entwicklung der Porzellanproduktion in Meißen entstanden ist. Es ist eine künstlerisch-handwerkliche Disziplin, für die Kenntnisse über die Technologie der Porzellanherstellung erforderlich sind. Die Aufgabe des Porzellanmodelleurs besteht darin, das Erscheinungsbild des fertigen Porzellanobjekts zu gestalten, die Vorgehensweise zu erarbeiten und die notwendigen Mittel für dessen Realisierung vorzubereiten. Für jedes Objekt werden Zeichnungen vorbereitet, nach denen ein Modell gefertigt wird.
Anhand des Modells wird dann die Urform und aus dieser wiederum die Mutterform für die Herstellung der Arbeitsformen für die Serienproduktion gefertigt.

Die Arbeit der Modelleure bei der Herstellung neuer Objekte umfasst mehrere Teilverfahren:
Porzellan-Design: Wie entsteht ein neues Modell?
In der Vergangenheit war der Beruf des Porzellanmodelleurs sehr geschätzt. Kunstgewerbeschulen für Porzellanmodelleure wurden erst viel später gegründet, und so waren Porzellanmodelleure in der Anfangszeit der europäischen Porzellanproduktion oftmals Künstler aus anderen Bereichen, wie beispielsweise Bildhauer. Diese prägten das Erscheinungsbild der Produktion und damit das Ansehen der Porzellanfabrik. Der Entwurf konnte in Form von Skizzen auf Papier oder als ein Tonmodell realisiert werden.
Aus dem Objektentwurf sind anschließend zwei Ausführungszeichnungen zu erstellen. Die erste in Brenngröße – d. h. in der endgültigen Größe des Produkts. Je nach Herstellungsart und der jeweils verwendeten Masse schrumpft das Porzellan beim Brennen nämlich um ca. 11–15 %. Daher ist es notwendig, die zweite Ausführungszeichnung um den oben genannten Prozentsatz zu erhöhen. Die Ausführungszeichnung muss sämtliche Details und Querschnitte enthalten, die für die Herstellung des Modells erforderlich sind.

Zeichnung einer Kanne in Modell- und Brenngröße
Modell eines Porzellanprodukts
Gemäß der Zeichnung wird das Modell aus Gips gefertigt. Gleichzeitig sind geeignete Produktionsverfahren im Hinblick auf die beabsichtigte Form des Produkts auszuwählen. Die Modelle werden nach verschiedenen Verfahren hergestellt, die in der Regel kombiniert werden. Im Prinzip kann man über drei grundlegende Methoden sprechen:
Der erste Schritt ist in der Regel die Arbeit an der Modellscheibe, auf der der gegossene Gipsblock bearbeitet wird. Dieser wird, solange er noch weich ist, beim Drehen geformt und dann mit Schmiedeeisen bearbeitet. Die endgültige Form wird mit Wasserschleifpapier, Klingen oder Platten geglättet. So entstehen die runden Modellteile (Körper von Kannen, Vasen, Tassen, etc.).
Ein weiterer gängiger Prozess, der oft auf dem vorherigen aufbaut, ist die manuelle Arbeit mit Sägen, Schleifplatten, Messern, Metallspachteln, Schleifpapier o.Ä. Durch manuelles Schneiden aus dem Gipsblock werden vor allem geometrische Formen oder kleinste plastische Modelle (sog. geschnitzte Modelle) hergestellt.

Manuell geschnitzte Modelle von Henkeln
Komplexe plastische Formen werden zunächst aus Bindeton modelliert. Erst dann wird mit der Blindform ein Modell aus Gips oder Wachs geformt, das dann mechanisch weiterverarbeitet wird (die sog. modellierten Modelle).
Gipsform für Porzellan
Die aus dem Modell direkt abgedruckte Urform ist die erste Grundform des Produkts, auf deren Basis die Mutterformen für die Herstellung und Vervielfältigung der Arbeitsformen erstellt werden. Bei der Herstellung dieser Form sind Genauigkeit und Präzision von größter Bedeutung. Sämtliche Mängel wären nämlich auf jeder der hergestellten Arbeitsformen sichtbar. Neben der perfekt geformten Wölbung muss die Hauptform auch einen angemessen gestalteten äußeren Teil aufweisen.
Beim Gießen, dem traditionellsten und technologisch anspruchsvollsten Formverfahren, unterscheiden wir im Prinzip drei Arten von Formen – offen, geschlossen und kombiniert.

Offene Formen werden für die Herstellung von Hohlkörpern eingesetzt.

Geschlossene Formen werden zum Gießen von flachen, nicht rotierenden Gegenständen wie beispielsweise Tabletts verwendet.

Kombinierte Formen kombinieren die beiden vorgenannten Typen. Dies sind zum Beispiel Formen für Saucieren.

Reproduktionsgerät Porzellan
Die Mutterform ist im Wesentlichen eine „Formenform“, die zum Gießen der Arbeitsformen für die Serienproduktion verwendet wird. Für jeden Teil der Arbeitsform ist eine Mutterform anzufertigen.

In der Vergangenheit wurden Mutterformen aus Gips gefertigt. Mittlerweile werden vor allem Epoxidharze und Metalle verwendet, da diese beständiger sind. Das Bild zeigt eine Mutterform zur Herstellung von Produktionsformen für die Fertigung von Tassen durch Drehen.
Produktionsform Porzellan
Arbeits- oder auch Produktionsformen dienen zur Formgebung der Porzellanprodukte in der Serienherstellung. Sie werden durch Gießen von Gips in die Mutterformen hergestellt.

Arbeitsformen
Text: Lucie Kališová, Štěpán Karel Odstrčil, Projekt „Aus dem Leben einer Porzellantasse“, Stadtmuseum Franzensbad. Foto: Václava Simeonová.
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