Přeskočit na obsah
REST ateliér

Altes böhmisches Porzellan

Autorin: Mgr. Lucie Kališová, Restauratorin

Der erste derartige Versuch der Porzellanherstellung in Böhmen wurde dank eines Kaolinfundes bei Gabhorn (heute Javorná) in den Jahren 1789–1793 in Rabensgrün (heute Háje) durchgeführt. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch die berühmte Manufaktur in Schlaggenwald (heute Horní Slavkov), die im Jahre 1792 vom Bergmeister J. G. Paulus und J. Pöschl mit Hilfe des thüringischen Arkanisten J. G. Reumann gegründet wurde.

Altes böhmisches Porzellan
Altes böhmisches Porzellan

Der erste derartige Versuch der Porzellanherstellung in Böhmen wurde dank eines Kaolinfundes bei Gabhorn (heute Javorná) in den Jahren 1789–1793 in Rabensgrün (heute Háje) durchgeführt. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch die berühmte Manufaktur in Schlaggenwald (heute Horní Slavkov), die im Jahre 1792 vom Bergmeister J. G. Paulus und J. Pöschl mit Hilfe des thüringischen Arkanisten J. G. Reumann gegründet wurde.

Porzellanmanufaktur Horní Slavkov

Das erfolglose, damals bereits völlig passive Unternehmen kaufte im Jahre 1800 Louise Greiner, die Witwe eines Porzellanmalers und Porzellanfabrikleiters in thüringischen Gera. Erst dem aus Schlaggenwald stammenden Georg Lippert, der sich im Jahre 1803 mit Louisens Tochter Friederike vermählte, gelang es, das Unternehmen gemeinsam mit dem Bergmeister Wenzel Haas zu entwickeln. Die Porzellanfabrik, die ab dem Jahre 1808 den Namen Porzellanfabrik Lippert & Haas trug, begann sich erfolgreich zu entwickeln, und dank der Bemühungen des Landrates Philipp Franz Graf Kolowrat-Krakowsky gelang es ihr im Jahre 1812 das kaiserliche Privileg für die Porzellanherstellung zu erhalten. Die Manufaktur entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem anerkannten Unternehmen, welches langfristig anderen neugegründeten Porzellanfabriken zu konkurrieren vermochte. Im Jahre 1867 wurde die Fabrik von den Cousins Georg Haas (ab 1899 Haas von Hasenfels) und Johann Czjzek (ab 1899 Czjzek von Smidaich) übernommen, die dem Porzellan aus Schlaggenwald die berühmte Marke Haas & Czjzek verliehen, welche bis zur Verstaatlichung des Unternehmens nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet wurde. In der sozialistischen Tschechoslowakei ereilte den Betrieb das Schicksal aller tschechischen Porzellanfabriken, zu dem anschließend die Privatisierung zu Beginn der 1990er Jahre gehörte. Den wiederholten Wechsel der Besitzer überlebte die Porzellanfabrik bis zum Jahre 2011, als die Produktion in Schlaggenwald "unterbrochen" wurde.

Älteste böhmische Porzellanmanufaktur in Schlaggenwald

Älteste böhmische Porzellanmanufaktur in Schlaggenwald

Entwicklung der Porzellanherstellung in Böhmen

In Anknüpfung an die Entdeckung neuer Rohstoffressourcen entstanden mit Beginn des 19. Jahrhunderts dutzende Porzellanmanufakturen, zu den ältesten gehörten Webers Porzellanmanufaktur in Klösterle (spätere Gräflich Thun'sche Porzellanfabrik in Klösterle / heute Klášterec nad Ohří, gegr. 1793), Höckes Manufaktur in Pirkenhammer (heute Březová, gegr. 1803), Geishübel (heute Stružná, gegr. 1803), Dallwitz (heute Dalovice, gegr. 1804), Chodau (heute Chodov, gegr. 1811) oder Haßlachers Manufaktur in Altrohlau (später Moritz Zdekauer Altrohlau / heute Stará Role, gegr. 1811).

Die Entwicklung der Porzellanproduktion in Tschechien

Auch viel später wurden jedoch erfolgreiche Porzellanunternehmen gegründet, von denen z. B. die Firma Gebrüder Benedikt in Meierhöfen (heute Dvory, gegr. 1882) oder die unter der Marke Rudolf Kämpf berühmt gewordene Porzellanfabrik in Grünlas (heute Loučky, gegr. 1907) zu nennen sind.

Zur vergessenen Tradition des böhmischen Porzellans gehört auch die sog. „Karlsbader Kanne“ für die Zubereitung gefilterten Kaffees, welche der Vorläufer der heute bekannten Kaffeemaschinen ist.

Zur vergessenen Tradition des böhmischen Porzellans gehört auch die sog. „Karlsbader Kanne“ für die Zubereitung gefilterten Kaffees, welche der Vorläufer der heute bekannten Kaffeemaschinen ist.

Im Hinblick auf die Entwicklung der Formen des böhmischen Porzellans ist der anfängliche Einfluss der Thüringer Modelleure und Maler, die in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts für die meisten böhmischen Porzellanfabriken arbeiteten, hervorzuheben. Nach dem Jahre 1820 setzte sich markant die Tendenz durch, die Formen und Dekorationstechniken der Manufakturen in Meißen und Wien zu kopieren. Im Laufe der Zeit schufen sich jedoch auch die böhmischen Porzellanfabriken ihr eigenes Geschäftsprofil, das sich vor allem auf die reichere Mittelschicht konzentrierte. Die Produktion wurde somit lange insbesondere durch die Ästhetik des Biedermeiers und später des sog. zweiten Rokokos beeinflusst. Die entscheidende Wende im Hinblick auf den Charakter der Produktion erfolgte dann im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Industrialisierung. Zahlreiche Porzellanfabriken in Nordwestböhmen und im benachbarten Bayern und Sachsen setzten von nun an auf Leistung. Die künstlerische Gestaltung der einzelnen Stücke wurde durch die Massenproduktion ersetzt, die das Porzellan immer leichter verfügbar machte.

Das 20. Jahrhundert bedeutete für die Porzellanindustrie in vielerlei Hinsicht eine schwierige Zeit. Infol-ge der Veränderungen in der europäischen Wirtschaft sank das Volumen der Porzellanindustrie in Mittel-europa in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts auf weniger als die Hälfte. In Tschechien ist diesbezüglich auch die Diskontinuität der Produktion nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu berücksichtigen. Das Grab von Georg Lippert auf dem Friedhof in Schlaggenwald ist ein ausdrucksvolles Zeugnis des Zustands der Porzellan-Tradition in Tschechien.

Das 20. Jahrhundert bedeutete für die Porzellanindustrie in vielerlei Hinsicht eine schwierige Zeit. Infolge der Veränderungen in der europäischen Wirtschaft sank das Volumen der Porzellanindustrie in Mitteleuropa in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts auf weniger als die Hälfte. In Tschechien ist diesbezüglich auch die Diskontinuität der Produktion nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu berücksichtigen. Das Grab von Georg Lippert auf dem Friedhof in Schlaggenwald ist ein ausdrucksvolles Zeugnis des Zustands der Porzellan-Tradition in Tschechien.

Das älteste erhaltene Porzellan aus Böhmen – Ergebnis des ersten Probebrands im Jahre 1794 in Klöster-le

Das älteste erhaltene Porzellan aus Böhmen – Ergebnis des ersten Probebrands im Jahre 1794 in Klösterle

Text: Lucie Kališová, Štěpán Karel Odstrčil, Projekt „Aus dem Leben einer Porzellantasse“, Stadtmuseum Franzensbad. Foto: Václava Simeonová.

MEHR Europäische Porzellanmarken und ihre Symbole im Überblick

Fotos sendenAnrufen