Wie entstand Porzellan?

Wie entstand Porzellan?

Über Jahrhunderte hinweg bewunderten die Europäer importiertes Porzellan aus Fernost. „Das Weiße Gold“, wie es früher genannt wurde, war ein begehrtes Sammlerstück und so lohnte es sich, in Versuche zur Nachahmung von Porzellan zu investieren. Dies gelang erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Sachsen, wo das Verfahren zur Herstellung von so genanntem Hartporzellan erfunden wurde.

Nach Böhmen kam diese Technologie erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts, dank Fachleuten aus Thüringen, die auch das Aussehen der ältesten böhmischen Porzellanproduktion prägten. Während des gesamten 19. Jahrhunderts waren dann die Manufakturen in Meißen und Wien ein wesentliches Vorbild für die Porzellanherstellung in ganz Mitteleuropa.

Die Geschichte des Porzellans beginnt in China, wo bereits vor mehr als zwei Jahrtausenden edle Sinterkeramik mit meist grauem Scherben und grüner Glasur hergestellt wurde – das sog. Seladon.

Seladonvase aus dem 13. Jahrhundert

Seladonvase aus dem 13. Jahrhundert

Etwa um das Jahr 600 kam es aufgrund weiterer Verbesserungen und der Entdeckung geeigneterer Rohstoffe zur Erfindung von Keramik mit weißem Scherben, die heute Weichporzellan genannt wird. Die chinesische Porzellanproduktion beschrieb erstmals der bekannte venezianische Kaufmann Marco Polo in dem Reisebuch „Il Milione“ aus den Jahren 1298/99, das seine Reise nach China schildert. Dieses Werk enthält auch die älteste überlieferte Verwendung des Wortes Porzellan. Der Ausdruck „porcellàna“ („porcellino“, ein Diminutiv des Wortes „porco“, dt. Schwein / Ferkel) stand im mittelalterlichen Italienisch für die Venusmuschel wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem weiblichen Geschlechtsorgan. Die Bedeutung des Wortes verlagerte sich dann auf die Kennzeichnung verschiedenster, mit Perlmutt verzierter Luxus- und Kunstobjekte. So wurde es auch für Porzellan verwendet, dessen Glasur mit ihrem Glanz und ihrer Transparenz eben dem Perlmutt ähnelte.

Nach Europa wurde chinesisches Porzellan in größerem Maße erst mit der Entwicklung des Überseehandels im 16. Jahrhundert importiert. Lange Zeit blieb es eine exklusive Ware und ein begehrter Sammlerartikel, der in keiner bedeutenden Adelsresidenz fehlen durfte. Es ist daher kaum verwunderlich, dass in Europa große Anstrengungen unternommen wurden, um die Geheimnisse der Porzellanherstellung nachzuahmen oder zu enthüllen. Einen etwa erfolgreichen Versuch stellte das sog. „Medici-Porzellan“ dar, das in den 1670er Jahren in Florenz erfunden worden war, aufgrund der aufwendigen Technologie jedoch nie in größeren Mengen hergestellt wurde. Porzellan wurde nach wie vor mit edler Fayence mit blau-weißem Dekor, wie sie für importierte asiatische Waren typisch war, weiter mit trübem weißem Glas oder Frittenporzellan imitiert. Allerdings konnte sich keines der europäischen Produkte in Bezug auf Aussehen und die Eigenschaften mit dem chinesischen Vorbild messen.

Ein Beispiel des Böttgersteinzeugs – eine Figuralplastik Königs August II. des Starken

Ein Beispiel des Böttgersteinzeugs – eine Figuralplastik Königs August II. des Starken

Geschichte des Meißner Porzellans

Ein großer Durchbruch gelang erst Anfang des 18. Jahrhunderts in Dresden, wo sich auf Kosten des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August II. des Starken drei Herren mit der Technologie der Porzellanherstellung beschäftigten – der Alchemist Johann Friedrich Böttger, den der König ursprünglich für die Goldherstellung engagiert hatte, der Mathematiker und Gelehrte Ehrenfried Walter von Tschirnhaus sowie der hervorragende Experte für Bergbau und Metallurgie Gottfried Pabst von Ohain. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, von denen sich der König während des Großen Nordischen Krieges (1700–1721) noch immer die künstliche Goldproduktion versprach, gab Böttger 1706 das erste erfolgreiche Brennen von „rotem Porzellan“ – heute bekannt als „Böttgersteinzeug“ – bekannt. In den folgenden Jahren wurden weitere grundlegende Entdeckungen gemacht, die zur Erfindung des Porzellans führten – 1707 wurde der Sinterungsprozess beschrieben, 1708 wurde der erste Probebrand bei Verwendung von Kaolin durchgeführt und 1709 wurde eine Glasur entwickelt. Anfang des Jahres 1710 konnte dann die Nachricht von der Erfindung des Porzellans und der Existenz einer Porzellanmanufaktur veröffentlicht werden, welche noch im selben Jahr von Dresden nach Meißen zog. Die grundlegende Besonderheit des Meißner Porzellans war die Brenntemperatur von bis zu 1400 °C, wodurch dieses „Hartporzellan“ deutlich bessere mechanische Eigenschaften aufwies als das chinesische Porzellan.

Die Porzellanherstellung erforderte von Anfang an eine ausreichende Anzahl qualifizierter Kräfte. Um die Exklusivität der Produktion zu erhalten, war es jedoch notwendig, die Technologie geheim zu halten. Daher erhielten die einzelnen Arbeiter der Manufaktur Informationen nur über die entsprechenden Teile der Produktion. Mit der fortschreitenden Weiterentwicklung der Technik und der Porzellanmalerei wuchs jedoch die Zahl der beschäftigten Arbeiter, Maler und Porzellanmodelleure, sodass es nur mehr eine Frage der Zeit war, wann das Geheimnis – das „Arkanum“ – weitergegeben wird.

Kanne mit Strohblumendekor – ein typisches Beispiel der thüringischen Porzellanproduktion um 1800, die ein Vorbild der damals entstehenden böhmischen Porzellanindustrie war.

Kanne mit Strohblumendekor – ein typisches Beispiel der thüringischen Porzellanproduktion um 1800, die ein Vorbild der damals entstehenden böhmischen Porzellanindustrie war.

Wiener Porzellan Manufaktur

So geschah es im Jahre 1718, als es österreichischen Diplomaten in Dresden gelang, gegen ein Entgelt detaillierte Informationen zur Produktion  und schließlich auch den Arkanisten Samuel Stölzel und dessen Wissen über das Verfahren der Rohstoffaufbereitung zu gewinnen. So wurde die Gründung der zweiten europäischen Manufaktur in Wien möglich, die noch im Jahre 1718 das kaiserliche Privileg sowie das 25-jährige Monopol für die Porzellanherstellung erhielt. Das anfängliche Aussehen der Artikel war von den Kunstwerken aus Ostasien und Meißen inspiriert. Im Jahre 1744 ging die Manufaktur in den Besitz des kaiserlichen Hofes über und wurde bis zum Jahre 1864 betrieben, als sie wegen lang anhaltender Verluste geschlossen wurde. Die Ursache ihres Scheiterns war der Zustrom billiger Waren, vor allem aus Deutschböhmen, der durch die Industrialisierung der Porzellanproduktion und die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur ermöglicht wurde.

Text: Lucie Kališová, Štěpán Karel Odstrčil, Projekt „Aus dem Leben einer Porzellantasse“, Stadtmuseum Franzensbad. Foto: Václava Simeonová.

CZECH

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